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Oktober 31, 2016 pwadmin

Am Eingang zum Willi-Münzenberg-Saal der Rosa-Luxemburg-Stiftung im ND-Gebäude in Berlin   Foto: Burschel

Nur noch 11 Tage bis zur „Ästhetik“-Dauerlesung

Detlef Siegfried: „Ohne das geistige Geländer kanonisierter Geschichtserzählungen“

p1190833Wer von dem epochalen Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss spricht, kann über zwei Dinge nicht hinweggehen, die mit seinem Erscheinen 1975ff bedeutsam wurden, nämlich über die allenthalben nach Erscheinen der drei Bände des Buches aus dem Boden schießenden Lesekreise und auch die damit verknüpfte Rolle des kommunistischen Medienzars der Weimarer Zeit, Willi Münzenberg, dessen Leben, Denken, sein Ausschluss aus der KPD und sein rätselhafter Tod 1940 auf der Flucht in Frankreich im Roman beschrieben werden. Als Vordenker einer „proletarischen Gegenöffentlichkeit“ erlebte er in den Diskussionen der „Ästhetik“-Leser_innen und der Lesekreise eine neue Wahrnehmung auch als (Medien-)Theoretiker.

Wir freuen uns deshalb sehr, dass Detlef Siegfried, Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte an der Universität Kopenhagen, uns einen Vortragstext zu diesem Thema zur Verfügung gestellt hat und so dem 100-Tage-Countdown bis zur Stafettenlesung dazu verhilft, bald fast jeden Aspekt zu Leben und Werk Peter Weiss‘ berücksichtigt zu haben und so eine solide Einführung zum Lesefestival zu liefern. Gehalten hat Detlef Siegfried den spannenden Vortrag auf dem Kongress Globale Räume für radikale Solidarität des Münzenberg-Forums und der RLS, der als 1. Internationale Willi-Münzenberg-Kongress vom 17. bis 20. September 2015 in Berlin – im Willi-Münzenberg-Saal – über die Bühne ging.

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Verratene Hoffnungen und neue Subjektivität

Zur Rezeption der „Ästhetik des Widerstands“ in den 1980er Jahren

Von Detlef Siegfried

 

Vorläufig erklären kann ich mir diese affektive Besetzung nur so, dass hier in einer ästhetischen Konstruktion viele Momente zusammengefasst sind, die für die theoretische/wissenschaftliche/politische Sozialisation mancher Leute aus meiner Generation eine wichtige Rolle gespielt haben: marxistische (Kunst-) Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Antifaschismus usw. Und während diese Theorien, historische Traditionen usw. in der intellektuellen Auseinandersetzung doch immer abstrakt, „theoretisch“ oder „historisch“ blieben (im negativen Sinn), werden sie bei Weiss integriert in den Erfahrungsprozess des Ich-Erzählers und damit in neuer Weise nach-erlebbar.[1]

 

Das in den 1980er Jahren postulierte „Ende der Ideologien“ wurde von einer erstaunlichen Bewegung begleitet, die in der individuellen und gemeinschaftlichen Lektüre der „Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss bestand. Für zahlreiche Linke in West- und Ostdeutschland wurde dieser dreibändige Roman – erschienen 1975, 1978 und1981 – zu einem Schlüsselwerk, weil er die Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung aus einer kommunistischen, aber antistalinistischen Perspektive reflektierte und dabei am Beispiel junger, selbst denkender Akteure die Legitimität eines Sozialismus von unten verfocht. Er richtete sich gegen die Macht der Apparate, bestand aber auf der Berechtigung einer sozialistischen Utopie. In einem großen Durchgang rekapitulierte der Autor, Mitglied der reformkommunistischen Linkspartei Schwedens, die Geschichte der Arbeiterbewegung aus der Sicht einer Gruppe junger Kommunisten und Sozialisten heterogener sozialer Herkunft, aber mit unersättlichem Bildungshunger und einer ausgeprägt kritischen Haltung zur Politik der KPD und der Sowjetunion, die in vielfachen Verästelungen einer Revision unterzogen wird.[2] Weiss, der in einem Interview missverständlich von einer „Wunschautobiographie“ gesprochen hat, führt den jugendlichen Ich-Erzähler von Berlin über das Prager Exil in den spanischen Bürgerkrieg und weiter nach Schweden, wo er in kommunistischen und linkssozialistischen Kreisen verkehrt. Schon das nahezu absatzlose Druckbild konterkariert jede postmoderne Leichtigkeit. Dennoch ist der „Roman“ auch im Hinblick auf seine Erzählstrategien überaus komplex. Berichte von Ereignissen, gemeinschaftliche politische Reflexionen wechseln mit philosophischen Überlegungen, Traumbeschreibungen, historischen Exkursen, Naturschilderungen und filigranen kunstgeschichtlichen Studien etwa zum Pergamon-Altar, Guericaults Gemälde „Floß der Medusa“ oder Gaudís unvollendetem Sakralbau Sagrada Familia. Über ganz Europa und darüber hinaus erstreckt sich das Spektrum der Kunstwerke, Orte und Ereignisse, die Weiss durchmustert aus der idealisierten Perspektive klassenbewusster Akteure, die Kunst als Mittel der Erkenntnis und der politischen Emanzipation begreifen. Ihr Kampf soll eine jahrhundertealte Kontinuität der Unterdrückung durchbrechen, wobei immer wieder die Frage nach den moralischen Kriterien für die Wahl der Mittel aufgeworfen wird, Antifaschismus und Antistalinismus miteinander verbunden werden. Trotz des unablässigen Scheiterns, so heißt es im dritten Band, „war das Wesentliche nicht, dass da Mächte am Werk waren, Menschen in gewaltigen Mengen nieder zu metzeln, sondern dass einige sich daran gemacht hatten, diesen Taten entgegen zu wirken, und das Denkwürdige daran war wiederum nicht, dass sie kaum vernehmbar waren, sondern dass es sie überhaupt gab […]“.[3]

Mittlerweile ist der „Kult, der um diesen Roman einmal getrieben wurde […] selbst Geschichte geworden“, wie die Herausgeber eines Rückblicks von 2008 festhalten.[4] Im Folgenden soll der Bedeutung der „Ästhetik des Widerstands“ für Umbruch und Selbstreflexion innerhalb der deutschen Linken nachgespürt werden – wobei auch die Wahrnehmung der historischen Figur Münzenberg eine Rolle spielt. Insbesondere geht es um die Frage, wie sich Selbstreflexion, Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Wandlungstendenzen der 1980er Jahre und die Rehabilitierung des historischen Subjekts in neuem Gewand zueinander verhielten.

 

  1. Grundzüge der Rezeption

p1190836Die Kritik, insbesondere in den Feuilletons der großen Zeitungen, nach dem ersten Band noch skeptisch, bewertete das Gesamtwerk, das bis 1987 etwa 90.000 Mal verkauft wurde, zumeist positiv bis euphorisch.[5] Während F.J. Raddatz die drei Bände als „rundherum missglücktes Unternehmen“ betrachtete, waren sie für Heinrich Vormweg ein „großer Entwurf gegen den Zeitgeist“, Hanjo Kesting hob „das völlig Ungewohnte, verstörend Fremdartige“ hervor, „das den herrschenden Tendenzen unseres unkontrolliert expandierenden Literaturbetriebs strikt zuwiderläuft“. Bekanntere Figuren der Arbeiterbewegung wie der Arzt und Sexualreformer Max Hodann, aber auch nahezu unbekannte wie die kommunistische Widerstandskämpferin Lotte Bischoff sind durch Weiss’ Buch dem Vergessen entrissen worden und haben biografische Nachforschungen ausgelöst. Auch Willi Münzenberg ist vielen Akteuren dieser Zeit erst durch die „Ästhetik des Widerstands“ nahegebracht worden. Peter Weiss lobt ihn als frühen Kampfgefährten Lenins, kreativen Medienmann und Organisator des antifaschistischen Bündnisses, und er lässt keinen Zweifel am Ziel der Delegitimationskampagne, die seit 1937 von Moskau ausging: „Es lag darin die zähe, ingrimmige Entschlossenheit, ihn auszulöschen“, so antizipierte Weiss im ersten Band bereits das Ende Münzenbergs.[6] Das Interesse linker Medien war von Beginn an groß. Der Ableger der linken Zeitschrift Konkret, Literatur Konkret, feierte in seinem Heft zur Buchmesse 1978 den zweiten Band schon, bevor er überhaupt erschienen war – gleich auf dem Titelbild, wo in Anlehnung an die Symbolik von Eugène Delacroix’ Gemälde „Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden“ von 1830 eine Heldin mit entblößter Brust nicht die Trikolore, sondern den imaginierten Titel des zweiten Bandes gen Himmel reckt, unter ihren Füßen eine Barrikade aus dem Schrott der Mediengesellschaft: Fernsehapparate, Antennen, Zeitungen und Zeitschriften. Der Suhrkamp-Verlag habe die Fahnen der „wichtigste[n] Neuerscheinung dieses Herbstes“ nicht herausgerückt, so begründete Karl W. Pawek das Fehlen einer Rezension im Editorial. Das Literatur konkret-Heft nach dem dritten Band brachte gleich zwei Texte, einer davon ein Bericht aus einer Lesegruppe. Weiss, darin sah Pawek das Problem, aber auch den großen Gewinn des Werkes, „bietet keine einfachen, praktikablen Lösungen an, macht nicht billig Mut, indem er eine imaginäre Stärke der Arbeiterbewegung vorgaukelt, sondern sucht hinter allen Verletzungen, Deformierungen geschundener Menschen ihre tatsächliche unbezwingbare Kraft.“[7] Dies alles, so sahen viele es seit dem „deutschen Herbst“, spätestens aber nach der „Wende“ in Bonn und der Niederlage in der Nachrüstungsdebatte von 1983, in einer Situation der Resignation und des Rückzugs der Linken bei gleichzeitigem Siegeszug jener „Tendenzwende“, die im konservativen Spektrum der Bundesrepublik schon seit 1968 angestrebt wurde und die sich mit der Regierungsübernahme Helmut Kohls zu vollenden schien.

Schon 1983, bald nach Veröffentlichung des dritten Bandes, bemerkte der US-Literaturwissenschaftler Alexander Stephan, „es scheint, dass die Ästhetik des Widerstands in beiden Teilen Deutschlands zunehmend ins Zentrum einer von Fachleuten und ‚Laien’ gleichermaßen geführten Literatur-, Kunst- und Politikdiskussion rückt“.[8] In der Tat. Angesichts der deprimierenden Gesamtlage und mitten in der Debatte über ein „Ende der Ideologien“ wurde, einige Jahre vor Gorbatschow und lange bevor eine „Wende“ in der DDR in Sicht war, über die Tragfähigkeit von Konzepten wie „Revolte“ und „Kommunismus“ diskutiert, und zwar weit über einen engen Politikbegriff hinaus, unter Einbeziehung von Alltagskultur und Kunst. Es ist gerade diese Verbindung zwischen Alltag, Kunst und Politik, die das Buch als Gegenstand der Krisenbearbeitung so attraktiv machte: das Aufbrechen der Verengung auf das Politische, das die linke Radikalisierung der 1970er Jahre mit sich gebracht hatte; die im Scheitern des Linksradikalismus evident gewordene Notwendigkeit, grundsätzliche Fragen wie das Verhältnis von Autoritarismus und Autonomie, von Kultur und Politik, von Offenheit und taktischem Verschweigen neu zu denken; die Verteidigung der Legitimität des Sozialismus im Emanzipationsstreben des Einzelnen. Eine der bemerkenswertesten Wirkungen dieser Romantrilogie – das deutet der von Stephan gewählte Begriff des „Laien“ an – bestand im Entstehen zahlreicher Lesezirkel, teils aus germanistischen Kreisen, mehr noch aber – sozial übergreifend – im Umfeld politischer und gewerkschaftlicher Gruppen, die den diskursiven Gestus des Buches als Anleitung für die eigene Praxis aufnahmen.[9] Sie lasen die „Ästhetik des Widerstands“ als kritisches Geschichtsbuch, das ihre Erfahrungen einer Krise der Linken widerspiegelte, aber an der Utopie der Aufklärung ebenso festhielt wie an der Idee des Ineinandergreifens von Kunst und Revolte, die im Aufschwung der Postmoderne und der kommerziellen Kodierung einer „Erlebnisgesellschaft“ in die Defensive geraten war. Diese Lesezirkel traten an das Licht der Öffentlichkeit zuerst bei der Berliner Volksuni 1981, bei manchen regionalen Treffen wie etwa einer Veranstaltung in der Hamburger Geschichtswerkstatt Galerie Morgenland am 13. Mai 1986 und schließlich auf dem Höhepunkt ihrer Existenz, bei den Peter-Weiss-Tagen mit dem internationalen Kongress „Ästhetik, Revolte und Widerstand im Werk von Peter Weiss“, die vom 4. bis zum 13. November 1988 in der Hamburger Kampnagel-Fabrik stattfanden. Hier dominierte das politische Interesse. Michael Hofmann erinnert sich, „dass man sich als Wissenschaftler damals unter den jungen Leuten fast entschuldigen musste, wenn man ein akademisches Herangehen hatte und kein durch Gesinnung geprägtes“.[10]

 

  1. Der Boom der Geschichte der Arbeiterbewegung als Kontext

Am Ort der Peter-Weiss-Tage, Hamburg, lässt sich exemplifizieren, dass das Interesse für die Geschichte der Arbeiterbewegung keineswegs mit der Krise des Linksradikalismus in den späten 1970er Jahren endete. Im Gegenteil: Es verschob und intensivierte sich mit einem besonderen Interesse für das Verhältnis von Politik und Kultur, so dass die „Ästhetik des Widerstands“ mitten hinein platzte in eine durch Desillusionierung und Resignation sensibilisierte, teils paralysierte Szene. Unmittelbar nach den Peter-Weiss-Tagen eröffnete im Museum für Hamburgische Geschichte die Ausstellung „Wir sind die Kraft. Arbeiterbewegung in Hamburg von den Anfängen bis 1945. November 1988 bis Februar 1989“, eine Folgeveranstaltung der Retrospektive „Vorwärts und nicht vergessen. Arbeiterkultur in Hamburg um 1930“, die von Mai bis September 1982 am Ort der Peter-Weiss-Tage, auf Kampnagel, stattgefunden hatte. Schon zur Eröffnung dieser ersten Ausstellung hatte Hannes Heer, der vormalige Studentenaktivist und Sympathisant wechselnder kommunistischer Richtungen, Peter Weiss eingeladen: „Es sollte der Mai sein“, schrieb Heer, „weil in diesem Monat auf dem Fabrikgelände eine große Ausstellung ‚Arbeiterkultur 1930’ stattfindet. Dazu passt natürlich Deine ‚Ästhetik’ ganz genau.“ Am geplanten Datum 21.-23. Mai 1982 war der Schriftsteller bereits verstorben, aber deutlich wird, dass die „Arbeiterklasse“ ihre Attraktivität noch keinesfalls verloren hatte, allerdings anders gesehen wurde, nämlich weniger vordergründig politisch, stärker in ihren Alltagsbezügen, also widersprüchlicher – ganz analog zur „Ästhetik des Widerstands“.[11]

Bei der Trilogie handelte es sich also nicht um eine nachholende literarische Verarbeitung eines Stoffes, den die politische Kultur der Bundesrepublik mit dem Linksradikalismus der 1970er Jahre hinter sich gelassen hatte. Vielmehr war die „Ästhetik“ Teil eines Ver- und Bearbeitungsprozesses der Geschichte der Arbeiterbewegung, mit der sich viele Aktivisten seit den späten 1960er Jahren verbunden fühlten, deren Niedergang aber gleichzeitig spürbar war – in der Bundesrepublik ebenso wie im neoliberalen Paradies Großbritannien, wo Margaret Thatcher die Gewerkschaften in die Knie zwang. Zeitgleich mit der Aufarbeitung nicht nur der produktiven, sondern auch der problematischen Seiten dieser Bewegung sollte ihr gesellschaftskritisches Potenzial, ihr subversives Element gerettet werden.[12] Sichtbar wurde der Aufarbeitungs- und Rettungsimpuls auch und besonders in der Bewegung der Geschichtswerkstätten, die seit den späten 1970er Jahren sich der Geschichte der Schwachen und Unterdrückten im lokalen Umfeld annahmen – neben Arbeitern Migranten, Zwangsarbeiter, Juden –, aber auch die Aufarbeitung der NS-Geschichte vor Ort in Angriff nahmen. In diesem Kontext wurde auch die Geschichte der KPD so detailliert und konkret, vor allem offener und weniger ideologiebefrachtet untersucht, als es in den 70er Jahren der Fall gewesen war. In der Geschichtswissenschaft dokumentiert sich die Mischung von konkreter Forschung und selbstkritischer Befragung etwa an dem von Lutz Niethammer geleiteten Projekt zu „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 bis 1960“, dessen Bücher zwischen 1983 und 1985 erschienen, unter der Mitarbeit früherer Kommunisten verschiedener Schattierungen wie Alexander von Plato und Michael Zimmermann. Es gibt Beispiele für ÄdW-Lesegruppen, die die Auseinandersetzung zwischen alten KPD-Mitgliedern als besonders inspirierend betrachteten und für solche, die auf schriftliche Erfahrungsberichte aus diesem Spektrum als ergänzende Literatur zurückgriffen – etwa auf den Band „Der rote Großvater erzählt“ von 1974.[13]

Inwieweit das Erscheinen von Peter Weiss’ Werk die Geschichte-von-unten-Bewegung befruchtet hat, ist schwer zu sagen. In jedem Falle fiel es auf fruchtbaren Boden, weil schon seit dem Ende der 1970er Jahre die Krise des Linksradikalismus sichtbar geworden war, zur Auflösung bzw. Spaltung einiger maoistischer Gruppen und zu oppositionellen Strömungen innerhalb der DKP geführt hatte. Damit stand eine kritische Selbstbefragung auf der Tagesordnung, während gleichzeitig der Einzug von Perestroika und Glasnost in der Politik der sowjetischen Führung Spielräume einer liberaleren Version des Kommunismus im Zentrum der Macht zu avisieren schien, für die Fragen der Geschichte eine zentrale Rolle spielten.

 

  1. Der „letzte gemeinsame Nenner“ der deutschen Linken? Die Lesegruppen

Schon früh wurde die „Ästhetik“ als eine neu, unorthodoxe Sichtweise linker Geschichte betrachtet, als „ein linkes Buch für die Linken“ (Alfred Andersch), im Rückblick sogar als der „letzte gemeinsame Nenner“ der deutschen Linken (Gerhard Scheit).[14] Die Idee des letzten gemeinsamen Nenners rührt wohl nicht zuletzt aus der häufig kollektiven Aneignung des Stoffes. Die Lesegruppen spielen in der Rezeptionsgeschichte der Trilogie eine bedeutende Rolle, denn sie „verlängerten“[15] das Gespräch, das die Protagonisten des Buches begonnen hatten, in die Gegenwart hinein und reflektierten die Lage der Linken und des Sozialismus ihrer Zeit vor dem Hintergrund des historischen Stoffes. Informationen zur Arbeit der Lesegruppen sind rar und vage. Über ihre Zahl und die Anzahl ihrer Mitglieder lässt sich nichts Sicheres sagen. Immerhin liegen etwa 20 Berichte vor, so dass sich ein ungefähres Bild gewinnen lässt. Einige von ihnen begannen ihre Arbeit mit dem ersten, 1975 erschienenen Band, aber die meisten lasen das Werk, nachdem der dritte Band erschienen war, zwischen etwa 1981 und 1987/88. Manche blieben nur einige Monate zusammen, andere mehrere Jahre. Alter, Bildungsstand, politische Observanz und Interessen der Teilnehmer waren heterogen. Neben Gymnasiasten und Studierenden, die mit dem Text durch Schule und Universität in Berührung gekommen waren und neben dem Unterricht weiter arbeiteten, gab es Gruppen, die sich im Umfeld von Stadtteilzentren oder Geschichtswerkstätten zusammengefunden hatten und sozial wie politisch gemischt zusammengesetzt waren. Auch Gewerkschaftsgruppen bildeten den Rahmen der gemeinsamen Lesearbeit. Ebenso stark streute die politische Herkunft: Neben ehemaligen oder immer noch Kommunisten und Sozialdemokraten wurde die „Ästhetik“ von jungen Linksradikalen jenseits von Parteien und von Leuten aus den verschiedensten sozialen Bewegungen gelesen. Aber auch politikferne Leserinnen und Leser mit historischen oder kunstgeschichtlichen Interessen gehörten zu den Rezipienten. Viele Mitglieder der Lesegruppen berichteten von einem größeren Gewinn, den die kollektive Arbeitsweise ermöglichte – durch Diskussion, Recherche und Referate zu bestimmten Themen. Manche lasen buchstäblich gemeinsam – es wurde laut vorgelesen –, andere bereiteten die Texte individuell zu Hause vor und diskutierten dann in der Gruppe.

Beträchtliche Resonanz hat das Werk sogleich unter Akademikern gefunden, und zwar aus unterschiedlichen Fachbereichen – allen voran die Germanistisk, aber auch Geschichts- und andere Kulturwissenschaften. Besonders engagiert waren die Literaturwissenschaftler Klaus Scherpe, Klaus Briegleb, Jochen Vogt, Martin Rector und Burkhardt Lindner. An der Gesamthochschule Essen fand ein Kolloquium statt, an dem Vertreter verschiedener humanistischer Disziplinen teilnahmen, an der Universität Stuttgart wurde das Buch von Kunsthistorikern studiert. Ein Zentrum der akademischen Auseinandersetzung war die Freie Universität Berlin. Am Ende der Sommersemesters 1977 berichtete Scherpe an Peter Weiss: „Bei uns an der FU hat Ihr Buch durchaus das bewirkt, was es wohl sollte: eine Selbstverständigung der Linken. Ich hatte ein Seminar mit über 200 Studenten, die – und das war doch erfreulich – nach anfänglichen Schwierigkeiten eifrig waren ihrer Arbeit nachzuarbeiten. […] Ich habe nahegelegt, Ihr Buch nicht als Wissenschaftsersatz zu lesen, sondern als künstlerisches Werk, das Erkenntnis auf besondere Weise hervorbringt, die Wahrnehmungsfähigkeit stärkt und Erfahrungen anleitet.“[16] Günter Holtz, ebenfalls Professor für Germanistik an der Freien Universität, der im Wintersemester 1981/82 ein Seminar zur „Ästhetik des Widerstands“ abgehalten hatte, hielt Erstaunliches fest, dass nämlich die Arbeit vonstatten gegangen sei „ohne die bei zeitgeschichtlichen Themen häufigen ideologischen Kleinkriege zwischen Studentengruppen. Die Gespräche waren zumeist konzentriert, textbezogen und auf beachtlichem Niveau.“[17] Der Journalist Jörg Magenau, seinerzeit Philosophie- und Germanistik-Student an der FU, berichtet aus der Sicht eines Lesegruppen-Mitglieds, Weiss’ kunsthistorische Exkurse hätten das Themenfeld für junge Intellektuelle der 1980er Jahre geöffnet: „Man musste nun nicht mehr, wie in den 70er Jahren, auf proletarisch machen, um links zu sein, sondern konnte sich aufs künstlerische Feld begeben. Das machte die Sache für uns Studenten in den 80ern leichter.“[18]

 

  1. Lesarten der Lesegruppen

Einer der aktivsten Propagandisten der „Ästhetik des Widerstands“ war Wolfgang Fritz Haug, der 1980 die erste „Volksuni“ in West-Berlin ins Leben gerufen hatte und damit eine schwedische Idee – die von der Linkspartei/Kommunisten in Stockholm veranstaltete Folkuniversitet – importierte. Haug wollte damit über die Grenzen der akademischen Institution hinausgreifen. Ihm schwebte vor, wie er Peter Weiss schrieb, „die Ästhetik des Widerstands in unsere ‚zweite Kultur’ einzubauen, zu benutzen, sie keinesfalls den Germanisten zu überlassen. Hoffentlich ist Dir das nicht zu grob zupackend.“[19] „Zweite Kultur“ oder auch „andere Kultur“, wie es mitunter hieß – damit war eine Alternativkultur gemeint, die einer vermeintlichen „ersten“, bürgerlich geprägten Hegemonialkultur entgegengestellt wurde. Hier wird erstens deutlich, dass Haug die „Ästhetik“ für die Reflexion und politische Praxis einer nach kultureller Hegemonie strebenden Linken heranziehen wollte. Zweitens sollten hier dezidiert Arbeiter, „Gewerkschafter“ einbezogen werden, wie Haug immer wieder postulierte. 1980 schon, vor Erscheinen des dritten Bandes, hatte er Weiss mitgeteilt: „Wir haben mehrere Lesegruppen gegründet, eine, die seit einem halben Jahr arbeitet, von Arbeiter(inne)n, Betriebsräten vor allem.“[20] Haugs Absicht entsprach ganz Peter Weiss’ Intention, der schon 1977 an Scherpe geschrieben hatte, er habe im Laufe vieler Jahre „die Vorstellung von einer proletarischen Klasse [entwickelt] – wie sie auch von Gramsci definiert wird – (im gewissen Sinne auch von Brecht), in der die Grenzziehungen zwischen manueller und intellektueller Arbeit gesprengt werden, und die nun auch den Ansichten innerhalb der kommunistischen Parteien Frankreichs, Italiens, Spaniens, Schwedens entspricht.“ Und weiter: „Ich sehe kein Paradoxon darin, dass die jugendlichen Arbeiter in meinem Buch sich mit Themen befassen, die, nach nicht nur bürgerlicher, sondern oft auch sozialistischer Ansicht, zu ‚hoch’ für ihren Bildungsstand seien. Im Gegenteil, es kann, will ich mich auf ein ‚wissenschaftliches Zeitalter’ berufen, nichts differenziert genug für sie sein. Gerade, dass sich diese Arbeiter mit Stoffen auseinandersetzen, die bisher der akademischen Kunsttheorie und Literaturtheorie vorbehalten waren, besagt, dass ihnen diese Dinge unbedingt zustehn müssen.“[21] Das war ideal gedacht und entsprach ganz Haugs Konzept, das sich auf Gramsci bezog. Inwieweit sich tatsächlich Arbeiter, Gewerkschafter, Betriebsräte über das Mammutwerk beugten, ist damit natürlich noch nicht gesagt.

Jedenfalls wurde bei der 2. Volksuni Westberlin 1981 eine Veranstaltung „Peter Weiss lesen!“ abgehalten, angekündigt als „Volksuniprojekt von Gewerkschaftern“. In der linken Presse hieß es: „Wir wollen für Kollegen darstellen, warum und wie wir die ‚Ästhetik des Widerstands’ lesen, warum das Werk ‚für uns’ ist, worauf es uns brachte und wie wir dabei unser Verhältnis zu Kunstwerken änderten.“[22] Die linke West-Berliner Tageszeitung Die Neue brachte in der Folgezeit eine Reihe von Erfahrungsberichten von der gemeinschaftlichen Lektüre, in der „Hoffnung, dieses Buch nicht in den Studierstuben verkommen zu lassen“.[23]

In unorthodoxen linken Kreisen war die Zustimmung nicht ungeteilt, Ex-Linke gaben sich desillusioniert und scholten diejenigen als ewiggestrig, die das alte Projekt nicht ganz aufgeben wollten. So verriss Rainer Bieling, ein früherer Aktivist, im linksalternativen West-Berliner Stadtmagazin Zitty das Werk als traditionell kommunistisch und nahm die Debatte um die Trilogie innerhalb der Linken nicht besonders ernst: „seine treue Leserschaft wird sich hüten, an einem Mythos zu rütteln, den sie zur Aufrechterhaltung ihrer politischen Identität so nötig braucht“.[24] Lothar Baier erklärte Weiss’ Werk im Deutschlandfunk zu einem Buch für „Träumer“, die sich „träumend und spekulierend“ der „Neigung“ hingäben, „statt nach vorn nach rückwärts zu blicken und sich Epochen zuzuwenden, in denen die Welt noch übersichtlich war“.[25]

Unter früheren Maoisten und anderen Angehörigen der „Neuen Linken“ war die Resonanz ebenso gemischt. Während einige, politisch gewendet, in der „Ästhetik“ eine Neuauflage kommunistischer Dogmatik erblickten, war sie für andere eine Gelegenheit, frühere Haltungen zu überprüfen, ohne das Ziel einer gerechten Gesellschaft aufzugeben. Die Redaktionsmitglieder der Zeitschrift Linkskurve sahen als Anliegen des Romans, „verschüttete, erledigt geglaubte Fragen neu zur Diskussion [zu] stellen“ und sahen in der gemeinsamen Lektüre eine Möglichkeit, individuelle Erfahrungen und Entscheidungen kollektiv zu reflektieren. Das gemeinschaftliche Lesen führte zu dem gewünschten Ergebnis: Eine „abwägend analytische, betroffene und doch kühle Lesehaltung“ sei „am ehesten herstellbar, wenn man den Roman […] kollektiv liest“.[26] Ein anderer, Friedrich Timme, sah rückblickend zwei Phasen der Bewältigung seiner Loslösung von einer kommunistischen Gruppe: in einem ersten Schritt die „radikale Trennung“, „seinen ganzen Hass und seine Wut abzureagieren, um für sich selber einen festeren Stand zu finden“, und zweitens, sich nach einigem Abstand „ein komplexeres Bild von der Sache zu machen“. Hier kam die „Ästhetik des Widerstands“ ins Spiel, an der diesen Leser die differenzierte Darstellung faszinierte. Damals, „in meiner politischen Vergangenheit hatten wir praktisch so einen zwanghaften Zukunftsoptimismus, wir wussten im Grunde, wo es längs geht, wo letztendlich das Ziel der Geschichte ist. Wir wussten zwar, es gibt Irrungen und Wirrungen und viele Umwege, aber letztendlich ist da die Zukunft, die lichte Zukunft, so ungefähr. […] Und ich habe immer das Gefühl gehabt, [man wird den KZ-Opfern] einfach nicht gerecht. Letztendlich hatte ich das Gefühl, man verhöhnt sie, sie haben gekämpft und gekämpft und gekämpft und gehofft und gehofft, alles in allem nur gelitten, alles war sinnlos. Und das verdrängt man total, denen wird man nicht gerecht. Und nun habe ich bei Peter Weiss das Gefühl gehabt, jawohl, in diesem Buch werden sie angemessen gewürdigt.“[27] Ein Ergebnis der Lektüre war also, „ein bisschen mein Verhältnis zu meiner politischen Vergangenheit zu entkrampfen, auch zum Marxismus nicht nur eine Antihaltung zu haben, sondern mich damit freimütig und differenziert auseinandersetzen zu können“. Theo Pinkus hielt diese Reaktion für charakteristisch. Aus einer Sicht war die Tatsache, dass sich bald nach dem Zerfall des Maoismus mit seinem extremen Zentralismus und seines oftmals offen stalinistischen Geschichtsbildes ÄdW-Lesegruppen bildeten, kein Zufall: „es ist von Leuten, die etwas suchten, die zum Teil aus K-Gruppen-Traditionen kamen, beeinflusst von der vorherigen kommunistischen Weltbewegung, gelesen worden, hat also eine andere Basis bekommen.“[28]

Für Bertolt, Mitglied einer achtköpfigen Lesegruppe Hamburger Studierender im Grundstudium Germanistik – alle, wie sie bekundeten, „links der DKP“, stellte sich die Ausgangslage im selben Jahr, 1986, völlig anders dar. Ihn interessierte auch, „dass Weiss sich anhand verschiedenster Menschen und Epochen mit der Frage der Resignation aussetzt: der Alternative, Politik zu machen oder zu resignieren.“ Aber anders als Timme sah er das Entscheidende in Weiss’ Insistieren auf der Hoffnung auf ein besseres Leben. „Bei Peter Weiss am dichtesten finde ich die Stelle, in der er sagt: Politische Hoffnung aufgeben hieße: verlieren. Wer diese Hoffnung aufgibt, gibt letztendlich seine Beziehungen zu Gesellschaft und Umwelt auf. So habe ich diese Aussage verstanden. Peter Weiss bleibt immer auf der Suche nach politischen Veränderungsansätzen, beleuchtet zum Beispiel die Integration der Sozialdemokratie ins kapitalistische Herrschaftssystem – und sucht nach linken Antworten darauf. Deshalb ist für mich dieses Buch so wichtig.“[29] Die Frage nach einer gemeinsamen politischen Praxis erhielt für diese Gruppe nach der Lektüre neue Relevanz, wie ein Wolfgang betonte: „Die Gruppe selbst hat die Organisationsfrage auf den Tisch gelegt. Nämlich die Frage: in welchen Zusammenhängen ist Politik zu machen? Ist, was wir tun, auch, was wir machen wollen? Welche Strukturen – Gruppen, Parteien – sind für linke Politik notwendig, richtig, erträglich?“

Doch nicht nur frühere Maoisten oder nicht parteigebundene junge Linke lasen das Werk, auch bei der Roten Armee Fraktion fand es begeisterte Leser. Der Schriftsteller Christian Geissler, ursprünglich Linkskatholik, dann dissidenter Kommunist, ein begeisterter ÄdW-Leser mit engen Verbindungen zum „bewaffneten Kampf“, schrieb an Weiss, „in verschiedenen hochsicherheitstrakten hiesiger knäste ist für die politischen gefangenen ihr roman nicht nur zu ner aufregenden freude geworden, sondern daraus zur arbeitsabsicht; wo das möglich ist: (kleinst-)gruppenweiterarbeit.“[30] Siegfried Haag, als Angehöriger der zweiten Generation der Roten Armee Fraktion seit 1976 inhaftiert, äußerte sich in der Korrespondenz mit Geissler ausführlich zur „Ästhetik des Widerstands“ und sprach von einer „notwendige[n] bestandsaufnahme“. „ne bestandsaufnahme, die angesichts der entscheidungen, vor die wir uns gestellt sehen, mehr oder weniger jeder machen muss.“ „ist nen gewaltiges buch […] vor langer zeit hast mal erzählt, wie die lübecker das auch gelesen haben. wenn ich mir das so vorstelle, wie sie dasaßen und das gemeinsam lasen, da muss es doch bloss noch gesummt und gebrummt haben, da muss doch was los gewesen sein. was haben sie dir denn davon berichtet? was haben sie sich daraus ausgegraben?“[31] Noch im Frühjahr 1982 schickte Haag an die anderen Inhaftierten einen siebenseitigen, einzeilig geschriebenen Bericht über das Werk, der teils Zitate, teils Reflexionen über den Inhalt enthielt, und schloss mit einer Bemerkung, die die Inhaftierten nach wie vor als politisch handelnde Subjekte ansah: „ich möchte hier gar nicht erst anfangen und aufzählen, welche ‚bereiche’ hier alle zusammengedacht werden, und wie das geschieht. es ist unwahrscheinlich viel drin, unwahrscheinlich viel von den konkreten fragen und prozessen, die wir heute noch genau so zu entscheiden haben.“[32]

Für manche dissidenten Altkommunisten aus der verbotenen KPD wie den früheren Chefredakteur der Hamburger Volkszeitung, Carlheinz Rebstock und seine Frau Herta, den ehemaligen Hamburger KPD-Funktionär Helmuth Warnke (zum Zeitpunkt des Interviews, 1986, Mitglied der Grün-Alternativen Liste) oder für den Mitarbeiter Münzenbergs in Berlin, Theo Pinkus, war die „Ästhetik des Widerstands“ eine Offenbarung – Anerkennung ihrer eigenen kritischen Sichtweise insbesondere der Geschichte der Sowjetunion und der KPD. Sie reflektierten das Buch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen. Rebstock etwa insistierte auf der Berechtigung seiner Haltung, die ihm von der Parteispitze aberkannt worden war: „Ich verließ nicht die kommunistischen Positionen, ich verließ […] dogmatische, absurde, erstarrte, blödsinnige Positionen. Und hab mich endlich bestätigt gesehen durch das Buch von Peter Weiss, diese ganze Auseinandersetzung, die wird nachvollzogen für mich, für uns.“[33]

In der DKP und dem ihr nahestehenden Spektrum stieß die „Ästhetik des Widerstands“ auf großes Interesse, allerdings vornehmlich unter Protagonisten der bald darauf entstehenden „Erneuerer“-Strömung, die den dogmatischen Kurs der Parteiführung attackierte und auf eine Revision des kommunistischen Geschichtsbildes drängte. Die ersten Reaktionen im DKP-Spektrum waren hingegen skeptisch immer dort, wo Weiss Tabus der kommunistischen Historiografie berührte. Hans Brender etwa lobte 1979 die „Ästhetik“ als „wichtiges Buch“, kritisierte aber die ausführliche und verständnisvolle Behandlung Herbert Wehners. Während Weiss die Ermordung Münzenbergs durch den sowjetischen Geheimdienst als Tatsache behandelt, ging Brender auf diese Darstellung nicht ein, kritisierte aber „Münzenbergs Egoismus und die Beschränktheit seines vorwiegend auf Werbung gerichteten Denkens“ und meinte, Münzenberg sei am Ende im feindlichen Lager gelandet – eine Sichtweise, die Weiss’ Darstellung diametral widersprach.[34] Ganz ähnlich monierte Oskar Neumann die „Auswahl der kommunistischen Repräsentanten“, namentlich Wehner und Münzenberg, und war mit der kritischen Darstellung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes nicht einverstanden. „Was alle kommunistischen Kritiker insgeheim stört“, so Volker Lilienthal, der die publizistischen Reaktionen ausgewertet hat, „ist das Fehlen einer eindeutigen Parteinahme für das kommunistische Ideal und seine reale Praxis.“[35]

Dennoch wurde die „Ästhetik des Widerstands“ in Teilen des DKP-Spektrums intensiv gelesen und diskutiert. Die Marxistische Abendschule bot an verschiedenen Orten Lesezirkel an. Beim Festival der Jugend in Dortmund an Pfingsten 1983, veranstaltet von SDAJ und MSB Spartakus, war eine Veranstaltung zu Peter Weiss derart überlaufen, dass sie in einen größeren Saal verlegt werden musste.[36] Michael Ben, der bald danach wegen seiner Herausgeberschaft der oppositionellen Zeitschrift Düsseldorfer Debatte (1984-1988) aus der DKP ausgeschlossen wurde, resümierte nach Weiss’ Tod vom 10. Mai 1982: „Das Leben nach dem Tod von Peter Weiss ist das der anderen, unseres. Nicht als letztes Großkunstwerk der Südwestfunk-Bestenliste, sondern im Gebrauch funktioniert sein Riesenroman. […] [Die Ästhetik des Widerstands] verweigert sich Dogmatikern der Halbheit, den Kämpfern reiner Politik und mehr noch Literaturbetrieblern, die sich mit den Maßstäben für liberalen Zwergwuchs anschleichen, um dem Kommunisten und Künstler abwechselnd das eine oder andere wegzustutzen.“[37] Der Kölner DKP-Vorsitzende Steffen Lehndorff, ein späterer Sprecher der Erneuerer-Strömung, lud Peter Weiss 1981 anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Stadt Köln zu Lesung und Diskussion ein: „Die vielen fortschrittlich eingestellten Menschen in unserer Stadt, darunter zahlreiche Genossinnen und Genossen unserer Partei, die das Buch mit lebhaftem Interesse gelesen haben, sind sehr daran interessiert, mit Ihnen auch außerhalb der offiziellen Festveranstaltung in Kontakt zu kommen.“[38] Auf Kölner Initiative beschloss der DKP-Parteitag 1986, „den Schriftsteller Peter Weiss in angemessener Form zu ehren“, was 1987 in Gestalt einer von der Wuppertaler Marx-Engels-Stiftung veranstalteten Tagung „Die Herausforderung Peter Weiss“ in die Tat umgesetzt wurde.[39] Hier wurde im Oktober 1987, auch unter Bezug auf den seit einiger Zeit eskalierenden innerparteilichen Konflikt, Kritik laut an der Arbeit der Partei. Der Schriftsteller Erasmus Schöfer etwa kritisierte unter Berufung auf Weiss’ Insistieren auf „Wahrhaftigkeit“ – ein Begriff, der in der Diskussion immer wieder fiel – das Schweigen der DKP zu „Fehlentwicklungen“ in den sozialistischen Ländern.[40] Mehrfach wurde auf Michail Gorbatschow und dessen Kritik an der sowjetischen Geschichtsschreibung hingewiesen. Elvira Högemann, zuvor skeptisch gegenüber Weiss’ Verstößen gegenüber der Parteigeschichtsschreibung, meinte nun, dessen Beitrag zu einer kritischen Revision sei „erst einmal vorbildlich und unerreicht“. Ein anderer Teilnehmer erklärte, er habe bei der Lektüre der Gorbatschow-Rede vom Februar 1987 und der „Ästhetik des Widerstands“ im Sommer desselben Jahres „eine kleine innere Revolution“ empfunden.

Besonders intensiv wurde Weiss unter DKP-Intellektuellen rezipiert, nicht zuletzt im Studentenverband MSB Spartakus. Noch bis Ende der 1970er Jahre hatte die poststalinistische Lesart Oskar Neumanns die Wahrnehmung im MSB-Organ Rote Blätter geprägt. Doch nach dem Erscheinen des dritten Bandes brachte sich eine weniger vordergründig politische Lesart zur Geltung.[41] Bernd Gäbler, der Vorsitzende des Marxistischen Studentenbunds Spartakus, konnte sich gar nicht mehr einkriegen vor Bewunderung und schrieb Weiss im Namen des MSB-Bundesvorstands, dessen Mitglieder „lesen nun die ‚Ästhetik des Widerstands’ und sind tief bewegt. […] hier hat man etwas ganz Großes vor sich. So etwas stellt man auf den Sockel, schaut auf, Bewunderung ohne Erstarrung scheint da kaum denkbar. Zugleich mit dieser Größe, die uns schüchtern macht, kommt aber da das Bedürfnis auf, mit diesem Peter Weiss, der da so viel recherchiert hat, der es versteht, uns ausgeprägteste Individualität vorzustellen und noch im selben Atemzug doch auch Gesetzmäßiges der Geschichte vermittelt, einmal richtig, jenseits von Künstlerhabitus und Schwärmerei zu debattieren. […] Ich bekenne, Stolz empfunden zu haben, dabeizusein und auch Opfer zu bringen für eine Bewegung, deren epochale Bedeutung, deren Größe und oft auch Kleinlichkeit ein so schönes und lehrreiches Kunstwerk mitprägt.“[42] Weiss antwortete ebenso freundlich wie bestimmt: „Aber auf einen Sockel möchte ich die ‚Ästhetik’ doch nicht gestellt bekommen. Sie ist ein realistisches Projekt, und absolut nicht mehr, als die Verarbeitung eines halben Jahrhunderts von bewussten Erfahrungen. Das mag vielleicht viel sein – aber doch nicht mehr als die Summe der Fähigkeiten eines jeden, der denken und reflektieren kann. […] Von etwaiger Schüchternheit eines Lesers kann also gar nicht (sollte also gar nicht) die Rede sein.“[43]

Martin Schütrumpf, oppositionelles Mitglied der SEW, hielt die Ästhetik des Widerstands aufgrund der innerparteilichen Auseinandersetzungen für besonders aktuell. „Sie haben dort Probleme und Fragen aufgeworfen, die immer noch nicht offen und ehrlich von den Kommunistischen Parteien beantwortet werden.“ Dies sei jenen Schriften aus dem innerparteilichen Konflikt zu entnehmen, die Schütrumpf beigelegt hatte. „Es sind Auseinandersetzungen, an denen ich stark beteiligt war und die leider zu viele Parallelen aufzeigen zur Situation der KPen in den 30er und 40er Jahren in Deutschland wie in Schweden. In Westberlin heute jedoch mit dem Unterschied, dass die ehemals starke KP zu einer isolierten und verknöcherten winzigen Organisation zusammengeschrumpft ist. Das Traurige, dass es gerade Kommunisten sind, die für eine Wiederholung der Geschichte – diesmal als Farce (?) – sorgen.“[44]

In der DDR erschien 1983 die Trilogie in kleiner Auflage von 5.000 Exemplaren, dafür aber in der Originalausgabe letzter Hand, ohne die von Suhrkamp veranlasste Überarbeitung im Lektorat. Eine weitere Auflage von 1987 machte das Werk größeren Kreisen zugänglich. Das Buch, das schon zuvor durch illegale Importe aus dem Westen auch in der DDR kursierte, wurde zum „Geheimtipp“ und Gegenstand von Debatten unter Oppositionellen, aber auch von Reformkräften innerhalb der SED.[45] Berlin und Rostock, wo Weiss auch eine Reihe persönlicher Freunde und Unterstützer hatte, waren die Zentren einer solchen Aneignung und auch des Drucks, die Trilogie auch in der DDR zu veröffentlichen. Im Wintersemester 1984/85 wurde eine Ringvorlesung zur „Ästhetik des Widerstands“ an der Humboldt-Universität abgehalten. Zwischen 1984 und 1986 arbeitete ein Kreis junger Literatur- und Kulturwissenschaftler der Universität Jena nach akademischen Gepflogenheiten mit dem Buch. Dabei ging es nicht um eine Umwälzung der DDR, im Gegenteil: „Man konnte die Gesellschaftsordnung für reformierbar halten; dieses utopische Potenzial steckt in der ‚Ästhetik des Widerstands’. Es war also auch der Versuch, mit der ‚Ästhetik des Widerstands’ sich und die Utopie gegen eine schlechte Wirklichkeit zu behaupten“, heißt es im Zeitzeugengespräch zu den Intentionen dieses Kreises.[46] „Es gab keine Alternative zu dieser Partei, zu dieser Utopie.“ Nicht zuletzt das offizielle Geschichtsbild der SED wurde hinterfragt, darunter die Haltung zum Anarchismus in Spanien, zu Herbert Wehner und zu Willi Münzenberg. Einen zweiten Komplex der Beschäftigung mit Peter Weiss initiierte in Jena der Dozent Dieter Strützel, der auch bei den Peter-Weiss-Tagen in Hamburg auftrat und im Gegenzug im Februar 1989 mit Thomas Metscher und Hannes Goebel zwei bekannte Peter-Weiss-Experten aus dem Westen nach Jena einlud. Vielleicht stärker noch als in der Bundesrepublik wurde der Roman in der DDR, jedenfalls im letzten Jahr ihrer Existenz, nicht in erster Linie seines politischen Inhalts wegen gelesen, sondern aufgrund der Rolle, die er der Ästhetik beimisst. Eine Teilnehmerin: „(I)ch (habe) diesen Roman nicht primär politisch gelesen. […] Um dem eigenen Leben Sinn und Tiefe verleihen zu können, braucht man die Anregung von Kunst im dialogischen Austausch von Persönlichkeit zu Persönlichkeit, weil die Horizonte so immer wieder aufgebrochen werden.“[47]

 

  1. Kunst und Medien. Gegenwartsspiegelungen über Münzenberg

In der Rezeption werden auch die Felder sichtbar, auf denen der Roman als besonders anregend betrachtet wurde. Neben dem undogmatischen Denken ist es die Rolle der Kunst, die immer wieder hervorgehoben wird, die Aneignung auch der bürgerlichen Kultur durch diejenigen, die von ihr ausgeschlossen waren. In der Deutschen Volkszeitung hob etwa Frank Benseler hervor, dass „der wissenschaftliche Sozialismus und die darauf gestützte historische Praxis einen Verbündeten haben, der ihnen im Rang gleich, in der langfristigen Wirkung überlegen sein kann: die Kunst“.[48] Hier kam auch die kommunistische Massenkultur ins Spiel, die die Arbeiter agitieren und zum Kampf ermuntern sollte – und damit: Münzenberg. Seine Rolle und sein Schicksal wurden in manchen Besprechungen von links hervorgehoben.[49] In ihm sah man auch einen Anreger für Aufgaben der Gegenwart. 1981 schrieb der Hamburger Filmhistoriker Walter Uka an Weiss und berichtete von einer Auftragsproduktion für den WDR unter dem Titel „Der Rote Pressezar. Münzenbergs Medienmacht und seine historischen Grenzen“. Uka hatte, wie er Weiss mitteilte, die „Ästhetik des Widerstands“ „regelrecht verschlungen“ und bat ihn nun, „mit einigen Anregungen und Hinweisen weiterzuhelfen“. Als „einer der grundlegenden Kenner des Münzenbergschen Lebensweges“ könne er vielleicht Auskunft geben über Personen, die mit oder für Münzenberg gearbeitet hätten, einfachen Mitarbeitern der Arbeiter-Illustrierten Zeitung etwa. Woher das Interesse gerade für Münzenberg? „Wir arbeiten hier in Hamburg“, erläuterte Uka, „im Zusammenhang mit einer Mediengruppe, die (vornehmlich mit Video) versucht, so etwas wie eine kontinuierliche Gegeninformation (in Wochen- bzw. Monatsschau-Form) gegen die Gewalt der bestehenden Massenmedien zu produzieren. Es ist alles ein wenig ‚dilettantisch-alternativ’, aber immerhin ist diese Form der ‚Medienarbeit von unten’ im Wachsen, zu der es in den Sendeanstalten selber keine ‚Alternative’ gibt.“ Uka verwies auf einige Fernsehdokumentarfilme über politische Filmarbeit in den 1920er und 1930er Jahren, über Arbeiter-Radio-Bewegung in der Weimarer Republik. „Sie sehen, fast alles ‚Medienthemen’“, von daher erklärte sich „unser Interesse an Münzenberg, der auch für uns mit seinen Aktivitäten eine derart faszinierende Gestalt gewesen“ sei, „von der wir gern lernen möchten – nicht zuletzt für unsere eigene, aktuelle Arbeit“.[50]

Ganz ähnlich – als historische Leitfigur linker Medienarbeit – wurde Münzenberg von anderen Zeitgenossen wahrgenommen. So etwa von von Til Schulz, der 1972, noch vor Weiss, im März-Verlag eine Sammlung von Münzenberg-Schriften unter dem Titel „Propaganda als Waffe“ veröffentlichte.[51] Oder von Diethart Kerbs, der 1991 die lange vergriffene Münzenberg-Biografie von Babette Gross neu herausgeben hat, ergänzt um ein Lebensbild der Verfasserin aus seiner Feder. Schon 1972, im Jahr der Wiederveröffentlichung durch Schulz, hatte Kerbs Münzenberg gelobt als einen der „ganz wenigen Kommunisten, die medientheoretisch und -praktisch auf der Höhe ihrer Zeit waren“.[52] Kerbs hatte immer die gegenseitige Durchdringung von Kunst und Politik interessiert, wie sie Weiss dann in seinem Mammutwerk propagierte. Bei Weiss symbolisiert eine Situation in der Zürcher Spiegelgasse um 1916 die Dialektik dieser Beziehung: Während am unteren Ende der Straße das Cabaret Voltaire dadaistische „Antikunst“ machte, arbeitete Lenin weiter oben an der Vorbereitung der russischen Revolution – zwei Komponenten der einen anzustrebenden Kulturrevolution. Als Gewährsmann für eine Synthese wählte Weiss den kommunistischen Verlagschef: „Es ging darum, sagte Münzenberg, die Hypothese einer umfassenden sozialen und künstlerischen Revolution aufzustellen und dann den Beweis zu erbringen von der Zusammengehörigkeit der Elemente, die bislang immer getrennt voneinander behandelt worden waren.“[53] Umso mehr konnte man in den späten 1980er Jahren, als Soziologen die „Erlebnisgesellschaft“ ausriefen, der Meinung sein, der boomende Ästhetizismus der Subkulturen bedürfe einer politischen Fundamentierung, um dem Integrationssog der Kulturindustrie widerstehen und einen Ausbruch aus dem Bestehenden erreichen zu können. 1988 veröffentlichten Diethart Kerbs und Walter Uka eine biografische Skizze Münzenbergs in der Berliner Edition Echolot.[54]

Sicher scheint: Es hat eine intensive Rezeption der Trilogie gegeben, die ausgelöst wurde und überformt war von der Krise des Linksradikalismus seit den späten 1970er Jahren, einem vermeintlichen „Ende der Ideologien“ und insbesondere einem gewachsenen Geschichtsbewusstsein, das den großen Meistererzählungen misstraute und stattdessen an alternativen Perspektiven „von unten“, d.h. aus der Sicht der Akteure, interessiert war. Gleichzeitig wollten viele derjenigen, die sich so intensiv mit „der Ästhetik“ identifizierten, auch weiterhin am sozialistischen Projekt festhalten, allerdings in einer demokratisierten Form.

Wie es allerdings um die Wirklichkeit der berühmten Lesegruppen beschaffen war, ist nicht klar zu entscheiden. Zum einen ist fraglich, ob die häufig behauptete gemischte Zusammensetzung aus Intellektuellen und Arbeitern, wie sie dem Ideal des Romans entsprach, tatsächlich bestand. Es drängt sich doch der Eindruck auf, dass der Anteil von Akademikern weit überwog. Sicherlich hat es auch in den Gewerkschaften der 1980er Jahre Autodidakten gegeben, wie sie die Arbeiterbewegung immer hervorgebracht hat. Aber inzwischen war es auch keine Seltenheit mehr, dass Betriebsräte und Gewerkschafter das Abitur in der Tasche oder ein Studium absolviert hatten. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber es gibt doch manches Indiz dafür, dass Arbeiterleser eher die Ausnahme darstellten. Volker Lilienthal zitiert einen Bericht über die Rückmeldungen auf die SWF-„Bestenliste des Publikums“ von 1980, als der dritte Band noch nicht erschienen war: Für die „Ästhetik des Widerstands“ (die damit auf Platz 70 landete) plädierten vier Lehrer, zwei Universitätsdozenten, zwei Bibliothekare bzw. Buchhändler, drei Studierende sowie je ein Lektor, Steuerberater und Jurist.[55] Mag sein, dass sich das Interesse mit dem Rezeptionsboom seit dem Erscheinen des dritten Bandes 1981 auch sozial verbreiterte, aber Arbeiterliteratur wurde „die Ästhetik“ nicht.

Dies gehörte freilich auch zu den Topoi der Kritik an der „Ästhetik des Widerstands“, die Vorstellung, dass es Arbeiter überfordere: „Das liest nur, wer alle Hürden bildungsbürgerlicher Sozialisation genommen […] hat.“[56] Andererseits liegen eine Reihe von Berichten vor, die beschreiben, wie formal weniger gebildete Leser das Buch mit Gewinn rezipierten – insbesondere in Gestalt der kollektiven Aneignung in Lesegruppen. So etwa Karl-Hermann Kuhlmann, der von seinem Sohn gedrängt worden war: „Er drückte es mir eines Tages in die Hand und sagte, für euch, für euch Arbeiter ist es geschrieben. Er ist Intellektueller. Ich habe mich also dahintergeklemmt und in der Tat – ich kam damit nicht klar. Ich habe es durchgelesen, so für meine Begriffe. Und ich habe es oft in die Ecke gelegt und es verflucht, überhaupt angefangen zu haben.“ Doch dann bot die örtliche Marxistische Abendschule einen Kurs an, an dem Kuhlmann teilnahm. Er lief über ein Jahr und bestand aus Arbeitern, Dozenten und Studierenden. Kuhlmann: „Wir, die Arbeiter, erfahren sehr viel über griechische Kunst, über Ästhetik, Dinge, die wir vorher – auch mit Peter Weiss – ganz und gar nicht erfasst hätten. Wir gehen in die Tiefe vieler Probleme, die Peter Weiss anschneidet. Das hätten wir nie gekonnt ohne die Kollegen, die da Dozenten oder Wissenschaftler oder Intellektuelle sind.“[57] Insbesondere scheinen sich Arbeiter und Gewerkschafter aus dem Dunstkreis von DKP und SEW angesprochen gefühlt zu haben. Oftmals standen Tabus der kommunistischen Geschichtsschreibung im Zentrum der Debatte, so dass die Lesegemeinschaft, wie es in einem Bericht hieß, als „streckenweise eine Selbsterfahrungsgruppe im besten Sinne“ erfahren wurde.[58] Aber auch Leo Werski, SPD-Mitglied und früherer Betriebsrat der Dortmunder Westfalenhütte, sah darin sein ganzes Leben nicht nur widergespiegelt, sondern sogar bestätigt: „Ich identifiziere mich nicht nur mit dem Text, sondern ich bin wie der Text. So hab ich gelebt, so hab ich gefühlt, so hab ich auch gedacht. Und gerade wenn man jetzt älter wird, so wie ich nun sechzig werde, aus dem Arbeitsleben ausgeschieden bin in der Zwischenzeit, dann ist das geradezu, was Peter Weiss schreibt, eine Bestätigung, dass wir richtig gefühlt haben, richtig gedacht haben.“[59] Es gab also durchaus Arbeiterleser, auch wenn sie nicht repräsentativ gewesen sein mögen und von einem Gespräch mit Intellektuellen auf Augenhöhe, wie es im Buch dargestellt wird, nicht immer die Rede sein konnte.

Was die Bedeutung der Lesegruppen betrifft, so wurde die Gründung der am 22./23. April 1989 aus der Taufe gehobenen Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft mit jener kollektiven Aneignungsbewegung begründet, der das Besondere der ÄdW-Rezeption zugeschrieben wurde. In den ersten Überlegungen ihres Initiators Ulrich Schreiber heißt es: „Eine wesentliche Basis der Gesellschaft soll die Aktivität von Lesegruppen sein. In der Gesellschaft sollen die Erfahrungen der Lesegruppen zur ‚Ästhetik’ und anderen Schriften von Peter Weiss gesammelt werden. Die Gesellschaft will weitere Lesegruppen anregen und dazu beitragen, dass Peter Weiss in den Schulen gelesen wird.“[60] Schon bald aber wurde sichtbar, dass, wie Martin Rector im Rückblick beschrieb, „das Kampagneninteresse einerseits und das akademische Interesse andererseits nicht zusammen[passte]“.[61] Betrachtet man jedoch die vorliegenden Informationen zur Mitgliedschaft, so wird deutlich, dass diese Basis jedenfalls Anfang der 1990er Jahre nur noch rudimentär bestand. Nach einem rasanten Start mit 150 Mitgliedern noch am Ende des Gründungsjahres 1989 hatte die Gesellschaft zum Stichtag 7. April 1992 324 Mitglieder, die sich über das ganze, mittlerweile vereinte Deutschland verteilten, hinzu kamen die Schweiz und Österreich sowie eine Reihe ausländischer Mitglieder vor allem in Schweden und den USA.[62] Darunter bekannte Intellektuelle wie Rolf Hochhuth, Robert Jungk, Ernest Mandel, Hans Mayer, Peggy Parnass, Karl-Heinz Roth und W.G. Sebald. Eine im Folgejahr 1993 vorgenommene Befragung zu den Interessengebieten der Mitgliedschaft erbrachte 102 Rücksendungen. Doch die Aufschlüsselung nach Herkunftsorten ergab kaum personelle Ballungen. Das typische Muster war hingegen: ein Mitglied an einem Ort. Das galt sogar für Städte wie Dresden, Jena, Leipzig, Marburg und Stuttgart. Aus Hamburg kamen fünf Rückmeldungen, aus Frankfurt sechs, aus München vier. Lediglich Berlin verzeichnete mit 19 eine größere Zahl.[63] Auch sonst scheinen Lesegruppen als organisatorische Basis der Gesellschaft sich mit ihrer Gründung verflüchtigt zu haben. In den vorliegenden Protokollen von Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen spielen sie jedenfalls keine Rolle. So lässt sich schlussfolgern, dass Lesegruppen wohl in den 1980er Jahren existiert haben, aber seit 1989 kaum mehr erwähnt werden.

 

  1. Ernst und Arbeit. Gegenpol einer „postmodernen Beliebigkeit“

So „erratisch“, wie man häufig meinte, lag Weiss’ Hauptwerk nun auch wieder nicht in der von Postmoderne, Innerlichkeit und neuen, konsumkompatiblen Formen der Subversion geprägten literarischen Landschaft der Bundesrepublik. Wohl legten nicht nur der Umfang, auch die Komplexität des Inhalts nahe, dass es sich nur aneignen konnte, wer über ein gehöriges Maß an Vorwissen, Durchhaltevermögen und politischem Interesse verfügte. Der Literaturwissenschaftler Jörg Drews taxierte die Zahl derer, die die 1984 verkauften 50.000 Exemplare der Trilogie auch tatsächlich gelesen hatten, auf etwa 2.000 Personen. „In den Bücherschränken von Lehrern, Gewerkschaftsfunktionären und passionierten Lesern“, so Volker Lilienthal, der die Rezeption des Buches untersucht hat, „findet man die drei grauen Bände […] recht häufig, oft aber blieben sie ungelesen […] ‚Noch keine Zeit gehabt’ ist dabei ein oft gehörtes Argument, aber auch dieses: ‚Ist mir zu schwierig’.“[64] Eben dies wiederum scheint andere Leserinnen und Leser gerade angespornt zu haben: Das Buch wirkte wie eine Programmschrift gegen die Postmoderne: keine Häppchen, keine Ironie, statt dessen Ernst und Arbeit. Schon die nahezu absatzlose Form der Seiten, wahre Bleiwüsten, signalisierte, dass hier erst einmal Mühen der Ebene zu bewältigen waren, bevor sich vielleicht Genuss einstellte. Martin Schütrumpf meinte, die Lektüre erforderte „eine neue Lesekultur“, sie setze „Beharrlichkeit und geistige Beweglichkeit beim Leser“ voraus.[65]

Besonders deutlich wird die Attraktion dieses Konzepts in der Wahrnehmung des Werkes durch Helke Sander, eine vormalige Aktivistin der Studentenbewegung in West-Berlin, inzwischen bekannte feministische Filmemacherin und Autorin, die 1981 nach der Lektüre des dritten Bandes an Peter Weiss schrieb: „ich fand den Roman so unglaublich aufregend, dass ich dauernd in dem zwiespalt war, schnell weiterlesen zu wollen, weiterzujagen geradezu, und dem wunsch, langsam und genau zu lesen. ich muss ihn wahrscheinlich nochmal lesen. ich verstehe jetzt auch die blöcke, die langen absatzlosen seiten. gerade die, die mich zuerst beim ansehen so irritiert hatten, haben mich zunehmend gefreut, da sah ich dann auch die verwirklichung des titels. beim lesen wurde ich immer stolzer, dass ich dich kenne und es hatte auch was mit diesen blöcken zu tun, dass du die so durchgehalten hast, die zähigkeit und den mut aufgebracht hast und die zeit und dies alles auch von denen zu bitten, die das nun lesen. ich meine, dass du dich nicht bescheiden selbst zerstückelt hast und in appetithäppchen dargeboten, sondern so widerspenstig, das war für mich das aufregende.“[66] Die Welt war nicht leicht zu verstehen, die Geschichte des 20. Jahrhunderts gerade aus einer linken Perspektive alles andere als widerspruchsfrei. Sie musste durchgearbeitet werden, und zwar ohne das geistige Geländer kanonisierter Geschichtserzählungen.

Gleichwohl spielte das Fragmentarische, das Denken in Widersprüchen, das Uneinheitliche in der Rezeption auch marxistischer Kreise eine bedeutende Rolle – und damit auch Verfahrensweisen nach dem „Ende der Ideologien“. In der tastenden Unsicherheit, die sich im andauernden Abwägen der möglichen politischen Schritte und der Bewertung des Geschehenen widerspiegelte, repräsentierte das Werk eben auch eine Haltung, wie sie in den nicht-stalinistischen Kommunistischen Parteien Europas schon seit Jahren praktiziert wurde. Wolfgang Fritz Haug, einer der Propagandisten Gorbatschows, sah genau darin ein wesentliches Verdienst der „Ästhetik“ und riet zur Vermeidung von Überidentifikation mit Werk und Autor: „Wir dürfen die Ästhetik des Widerstands nicht kanonisieren, nicht verabsolutieren. Sie ist die Ästhetik eines neuen Projekts, das nicht mehr monolithisch ist, sondern das in sein Bauprinzip Zwiespalt und Ungelöstheit aufnimmt. Bewegungsformen eines als lebensnotwendig angenommenen Widerspruchs entwickelt.“[67] In einer Besprechung des dritten Bandes revidierte Lothar Baier seine anfängliche Skepsis und sah im Gesamtwerk eine Entwicklung, in der in der Dokumentation des Faktischen immer stärker die Subjektivität des Autors hervortrat: „Für den Ich-Erzähler ist die Beschreibung des Sichtbaren der erste Schritt zu einer eigenen Sprache, die sich von den Stimmen um ihn herum abhebt; es ist paradoxerweise das Unpersönliche der Anhaltspunkte in der Außenwelt, was die Individualität des beginnenden Schriftstellers hervortreibt. Während die politischen Strategien in diesem schwedischen Exil immer fadenscheiniger werden, gewinnt der Ich-Erzähler in der Ästhetik der sinnlichen Wahrnehmung eine neue Sicherheit, die aber nicht triumphierend ausgespielt wird gegen die äußere Verwirrung, sondern sie entzifferbar macht und die Lähmung überwinden hilft, die von ihr ausging.“[68] Ganz ähnlich wurde dieser Prozess von einer Lesegruppe erfahren: Der ersten Lektüre als Studium der Geschichte der Arbeiterbewegung – den meisten Teilnehmern erschien das Buch „unlesbar“, ein „schlecht gemachtes Geschichtsbuch“ mit einer holzschnittartigen Figurenzeichnung –, schloss sich eine zweite Phase an, in der die Kritik an Weiss’ vermeintlicher Verteidigung des Parteikommunismus dominierte („die Phase des Stalinismusvorwurfs“). Eine dritte Phase der Lektüre bezeichnete der Berichterstatter als „Entdeckung der Gestaltungsebene“: „Wir sahen, dass hier eine Geschichte des Scheiterns linker Politik geschrieben worden ist: Zerschlagung der Arbeiterbewegung durch den Faschismus, Liquidierung der bolschewistischen Elite in den Moskauer Prozessen, und dazwischen der Ich-Erzähler, sich immer wieder neu orientierend, neue Kraft sammelnd.“[69] Wenn auch die „Ästhetik des Widerstands“ häufig als alternatives Geschichtsbuch gelesen wurde, so trat doch unter der Hand immer stärker nicht nur das Individuelle der Protagonisten hervor, sondern auch die Subjektivität des Autors. Hervorgerufen wurde diese Veränderung in der Wahrnehmung wohl durch die zunehmende Desillusionierung im Verlauf der drei Bände, aber auch durch den Bewusstseinswandel, dem die Leserinnen und Leser in der zweiten Hälfte der 1970er und den 1980er Jahren unterlagen.

Leser Friedrich Timme sah das ähnlich: „das Buch schult nichts, das ist offen, und man merkt, dass es – beinahe – aus einer Unsicherheit heraus geschrieben ist. Das will nichts beibringen, und vor allen Dingen keine Handlungsanweisungen vermitteln, das will vielleicht Betrachtungsweisen eröffnen“.[70] Das linke Projekt wurde nicht verabschiedet, aber sein Fortbestand von einer offenen Debatte abhängig gemacht – so sahen es einige. Wolfgang: „Wichtig für mich an dem Buch war auch, dass es das sozialistische Projekt nicht einfach aufgibt, sondern durch eine schonungslose Kritik des Verhaltens der Linken uns die Möglichkeit an die Hand gibt, Versteinerungen aufzubrechen und neue Sichtweisen zu entwickeln.“[71] In seiner Selbstreflexivität, der unter der Hand eingeschobenen Rückkehr des Subjekts, war es durchaus kompatibel mit postmodernen Sichtweisen.[72] Jedenfalls in der Verfahrensweise, nicht aber in der Zielsetzung. In dem Ziel einer „Instandbesetzung des Sozialismus“ lag ein utopisches Potenzial, von dem sich die Postmoderne längst verabschiedet hatte.[73] Doch als Gegenstand einer politischen Identitätssuche verlor die „Ästhetik des Widerstands“ an Anziehungskraft, als zwischen 1989 und 1991 der „real existierende Sozialismus“ implodierte. Subjektivität minus Sozialismus unterschied sich nicht viel von dem, was den Mainstream der Gesellschaft ausmachte. „Die kritische Intelligenz der ehemaligen DDR las dann Nietzsche und nicht Weiss“ und vollzog damit eine Bewegung weg von Marx nach, die im Westen schon um 1980 sichtbar geworden war.[74] Anstelle des politischen dominierte nun das akademische Interesse am Werk von Peter Weiss.

 

Fußnoten:

[1] Teilnehmer eines Seminars an der Gesamthochschule Essen 1980/81, zit. nach Ludger Claßen, Zum Verhältnis von Individualgeschichte, Kunst- und Geschichtserfahrung: Peter Weiss, „Die Ästhetik des Widerstands“. Bericht über ein Seminar an der GHS Essen (SS’80-WS‘80/’81), in: Schreibheft, H. 16, 1981, S. 32-34, hier 33.

[2] Alfons Söllner, Peter Weiss und die Deutschen. Die Entstehung einer politischen Ästhetik wider die Verdrängung, Opladen 1988.

[3] Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands, Bd. 3, Frankfurt am Main 1981, S. 48.

[4] Arnd Beise/Jens Birkmeyer/Michael Hofmann, Vorwort, in: dies. (Hrsg.), Diese bebende, zähe, kühne Hoffnung. 25 Jahre Peter Weiss „Die Ästhetik des Widerstands, St. Ingbert 2008, 7-11, 7. Zum Wandel der Rezeption vgl. Martin Rector, Fünfundzwanzig Jahre „Die Ästhetik des Widerstands“.

[5] Lilienthal, Literaturkritik, S. 59ff. das Folgende 70 u. 81.

[6] Weiss, Ästhetik, Bd. 1, 157.

[7] Literatur konkret 1981/82, 75.

[8] Alexander Stephan, „Ein großer Entwurf gegen den Zeitgeist. Zur Aufnahme von Peter Weiss’ „Die Ästhetik des Widerstands“, in: ders. (Hrsg.), Die Ästhetik des Widerstands, Frankfurt am Main 1983, 346-366.

[9] Martin Rector, Fünfundzwanzig Jahre „Die Ästhetik des Widerstands“. Prolegomena zu einem Forschungsbericht, in: Arnd Beise/Jens Birkmeyer/Michael Hofmann (Hrsg.), Diese bebende kühne zähe Hoffnung. 25 Jahre Peter Weiss’ „Die Ästhetik des Widerstands“, St. Ingbert 2008, S. 13-48, 20ff.

[10] Martin Rector/Michael Hofmann/Arnd Beise, Das haben wir nicht lange diskutiert, sondern einfach gemacht. Gespräch über die Anfänge des Peter Weiss Jahrbuchs, in: Arnd Beise/Michael Hofmann (Hrsg.), Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Bd. 20, 2011, 139-149, 141.

[11] Hannes Heer an Peter Weiss, 7.4.1982, Akademie der Künste, Berlin (AdK), Peter-Weiss-Archiv (PWA), 271.

[12] Detlef Siegfried, Das Subversive retten. Eine Denkfigur der 1980er Jahre, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 46, 2015, S. 13-19.

[13] Heinrich Dilly, Lektüre und Kritik der „Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss. Bericht über das Stuttgarter Colloquium im Wintersemester 1981/82, in: Kritische Berichte, Jg. 10, 1982, H. 2, 38-47, 43.

[14] Gerhard Scheit in „Diese bebende, zähe, kühne Hoffnung“. 25 Jahre Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands. St. Ingberg: Röhrig, 2008.

[15] Jürg Magenau, in: taz, 9.5.2007.

[16] Scherpe an Peter Weiss, 31.7.1977, AdK, PWA 971.

[17] Günter Holtz an Peter Weiss, 25.2.1982, AdK, PWA, 379.

[18] taz, 9.5.2007.

[19] W.F. Haug an Peter Weiss, 17.11.1981, AdK, PWA, 483.

[20] W.F. Haug an Peter Weiss, 8.11.1980, AdK, PWA 243.

[21] Peter Weiss an Klaus Scherpe, 2.7.1977, AdK, PWA 971.

[22] Martin Schütrumpf an Peter Weiss, 24.2.1981, AdK, PWA, 985.

[23] Die Neue, 29.5.1981.

[24] Rainer Bieling, Die „Wirklichkeit“ des Intellektuellen, in Zitty, 12/1981.

[25] Zit. nach Stephan, Aufnahme, 352.

[26] Barbara Kunz-Bürgel, Die „Ästhetik des Widerstands“ gemeinsam lesen. Eine Aufforderung, in: Linkskurve, H. 3, 1982, 15-16.

[27] Gespräch mit Friedrich Timme, in: Günter Dunz-Wolff/Hannes Goebel/Jochen Stüsser (Hrsg.), Lesergepräche. Erfahrungen mit Peter Weiss’ Roman Die Ästhetik des Widerstands, Hamburg 1988, 157-163, 161.

[28] Gespräch mit Theo Pinkus, in: ebd., 50-67, 51.

[29] Gespräch zwischen Andrea, Bertolt, Joachim, Marut, Olaf, Ortwin, Verena und Wolfgang, in: ebd., 112-124,114. Das Folgende 119.

[30] Christian Geissler an Peter Weiss, 10.3.1982, AdK, PWA, 387.

[31] Siegfried Haag an Christian Geissler, 27.2.1982, AdK, PWA, 387.

[32] Siegfried Haag an Christian Geissler, 5.3.1982, AdK, PWA, 387.

[33] Gespräch mit Herta und Carlheinz Rebstock, in: Dunz-Wolff/Goebel/Stüsser (Hrsg.), Lesergespräche, 10-40, 20.

[34] Zit. nach Volker Lilienthal, Literaturkritik als politische Lektüre. Am Beispiel der Rezeption der „Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss, Berlin 1988, S. 94. Das Folgende S. 98ff.

[35] Lilienthal, Literaturkritik, S. 100.

[36] Deutsche Kommunistische Partei, Parteivorstand (Hrsg.), Protokoll des 8. Parteitags der Deutschen Kommunistischen Partei, 2.-4. Mai 1986 Hamburg, Neuss 1986, S. 384f.

[37] Literatur konkret, 1982/83, S. 29.

[38] DKP Köln (Steffen Lehndorff) an Peter Weiss, 1.10.1981, PWA, 294.

[39] Deutsche Kommunistische Partei, Parteivorstand (Hrsg.), Protokoll des 8. Parteitags, 384f.; Marx-Engels-Stiftung e.V., Wuppertal (Hrsg.), Die Herausforderung Peter Weiss. Symposium, Wuppertal, 17./18. Oktober 1987, Düsseldorf 1989.

[40] Marx-Engels-Stiftung e.V., Wuppertal (Hrsg.), Herausforderung, 81. Die folgenden Zitate 88 u. 97.

[41] Moritz Herrmann, Intervention und Herausforderung. Die Rezeption der Ästhetik des Widerstands im Umfeld der DKP, in: Arnd Beise/Michael Hofmann (Hrsg.), Peter Weiss Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Bd. 21, 2012, St. Ingbert 2012, 47-62, 54 u. 58.

[42] 1986 publizierte der MSB Spartakus das Protokoll einer Diskussionsveranstaltung „Intellektuelle und Arbeiterbewegung“, an der Wolfgang Abendroth, Hans Brender und Josef Schleifstein, häufig unter Bezug auf Peter Weiss, dieses Thema diskutierten (Marxistischer Studentenbund Spartakus [Hrsg.], Intellektuelle in der Arbeiterbewegung. Eine Diskussion mit Wolfgang Abendroth, Hans Brender und Josef Schleifstein. Materialien zur Diskussion über Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands“, Dortmund 1986.). MSB Spartakus Bundesvorstand (Bernd Gäbler) an Peter Weiss, 21.7.1981, AdK, PWA, 775.

[43] Peter Weiss an Bernd Gäbler, 28.7.1981, AdK, PWA, 775.

[44] Martin Schütrumpf an Peter Weiss, 24.2.1981, AdK, PWA, 985.

[45] Uta Kösser, Literatur im Umgang mit Geschichte. Zur Rezeption der „Ästhetik des Widerstands“ in der DDR, in: Michael Hofmann (Hrsg.), Literatur, Ästhetik, Geschichte. Neue Zugänge zu Peter Weiss, St. Ingbert 1992, S. 115-132.

[46] Erhard Crome/Lutz Kirschner/Rainer Land, Der SED-Reformkurs der achtziger Jahre, S. 10 (http://www.rosalux.de/publication/28682/der-sed-reformdiskurs-der-achtziger-jahre.html, gel. 4.8.2015).

[47] Ebd., S. 14.

[48] Zit. nach Lilienthal, Literaturkritik, S. 89.

[49] Hannes Heer etwa beschrieb ihn als Antipoden einer Kunst von unten, der die Vorbildrolle der Künstler betonte. „Der befreite Laokoon“. Zu Peter Weiss’: Ästhetik des Widerstands von Hannes Heer, Sendemanuskript, gesendet 30.11.1979, WDR III, AdK, PWA, 2229.

[50] Walter Uka an PW, 1.6.1981, AdK, PWA, 1230.

[51] Markus Mohr, Der Unterstrom der Geschichte und das Durchleuchten von Modellen. Proletarische Gegenöffentlichkeit von Willi Münzenberg bis zur Studentenbewegung, in: Rote Hilfe, H. 3, 2015, S. 69-71.

[52] Diethart Kerbs, Willi Münzenberg. Eine Legende wird hundert, in: Zitty, Nr. 17, 1989, S. 14-17, hier 14; Babette Gross, Willi Münzenberg. Eine politische Biografie, Leipzig 1991.

[53] Peter Weiss, Ästhetik des Widerstands, Bd. 2, Frankfurt am Main 1978, S. 62.

[54] Diethart Kerbs/Walter Uka, Willi Münzenberg, Berlin 1988.

[55] Lilienthal, Literaturkritik, S. 61f.

[56] Bieling, „Wirklichkeit“.

[57] Marx-Engels-Stiftung e.V., Wuppertal (Hrsg.), Herausforderung, S. 96f. Das Bildungserlebnis wird auch hervorgehoben im Bericht des Masseurs Kurt Zoller, wiedergegeben in Die Neue, 28.8.1981.

[58] So aus dem Kreis der West-Berliner Gewerkschafter, auf den auch Haug sich bezog: Die Neue, 14.7.1981.

[59] Zit. nach Lilienthal., Literaturkritik, S. 152.

[60] Ulrich Schreiber, Überlegungen zur „Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft, 10.3.1989, AdK, Peter-Weiss-Archiv, Sammlung Manfred Haiduk, 60.

[61] Rector/Hofmann/Beise, Das haben wir nicht lange diskutiert, S. 140.

[62] Notizblätter. Mitteilungen der Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft, H. 1, Dezember 1989, u. H. 5, April 1992, o.Pag.

[63] Notizblätter. Mitteilungen der Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft, H. 6, September 1993, S. 26-45.

[64] Lilienthal, Literaturkritik, S. 62. Auch Karl W. Pawek bemerkte, es stünden „nun ein paar mehr der wenigen gedruckten Exemplare dieses Romans in den Bücherregalen linker Intellektueller, Lehrer, Gewerkschafter – ungelesen, wie ich weiß“ (Literatur konkret, 1981/82, S. 74).

[65] Die Neue, 29.5.1981.

[66] Helke Sander an Peter Weiss, 7.6.1981, AdK, PWA 964.

[67] Wolfgang Fritz Haug, Vorschläge zur Aneignung der „Ästhetik des Widerstands“, in: Karl-Heinz Götze/Klaus R. Scherpe (Hrsg.), Die „Ästhetik des Widerstands“ lesen. Über Peter Weiss (= Argument Sonderband 75), Berlin 1981, 29-40, 32.

[68] Lothar Baier, Utopisches Fresko der Vergangenheit, in: Merkur, Jg. 36, 1982, H. 403, S. 81-89, hier 87.

[69] Claßen, Verhältnis, S. 33f.

[70] Gespräch mit Friedrich Timme, in: Günter Dunz-Wolff/Hannes Goebel/Jochen Stüsser (Hrsg.), Lesergepräche. Erfahrungen mit Peter Weiss’ Roman Die Ästhetik des Widerstands, Hamburg 1988, S. 157-163, 163.

[71] Sigrid, Wolfgang. Zwei Berichte über eine Bielefelder Lesegruppe, in: Dunz-Wolff/Goebel/Stüsser (Hrsg.), Lesergespräche, S. 164-167, 167.

[72] Detlef Siegfried, Die Rückkehr des Subjekts. Gesellschaftlicher Wandel und neue Geschichtsbewegung um 1980, in: Olaf Hartung/Katja Köhr (Hrsg.), Geschichte und Geschichtsvermittlung. Festschrift für Karl Heinrich Pohl, Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2008, S. 125-146.

[73] Zit. nach W.F. Haug, Die „Ästhetik des Widerstands“ lesen, in: kürbiskern, H. 2, 1982, S. 107-113.

[74] Zitat: Michael Hofmann in: Rector/Hofmann/Beise, Das haben wir nicht lange diskutiert, S. 145.

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