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Oktober 6, 2016 fritz

Nordfries des Pergamonaltars (Foto: Mikael Sylwan)

Zitat Nr. 17 mit Bild

„Mit Steinen nur, sagte Coppis Mutter, können sie sich wehren gegen die Gepanzerten und Schwerbewaffneten, sie knien, kriechen, sie zerbrechen und fallen ins aufgerissne Straßenpflaster, preisgegeben den Wasserkanonen, Gasgranaten und Maschinengewehren. Sie sah den Kampf in unsrer okkupierten Stadt, unserm besetzten Land, und es half nichts, daß Ge um Erbarmen flehte für ihren Sohn Alkyoneus, er war in Athenas Gewalt, der tötende Biß der Schlange in dessen Brust genügte ihr nicht, sie wollte seine restlose Zerfleischung. Zur Vernichtung verurteilt waren die Waffenlosen, die sich zusammenscharten hinter Barrikaden, von den Auserwählten, die sich imponierende Namen zugelegt und ringsum verbreitet hatten, daß sie unschlagbar waren, daß sie höchste Weltordnung im Sinn trugen. Sie starrte, nachdem sie die Schüssel geleert hatte, gebeugt auf dem Stuhl sitzend, mit dem Handtuch an den Beinen, der schemenhaften Bildwand entgegen, in unsern Beschreibungen überall nur das Triumphieren der Peiniger erkennend über das Gewühl der Entmachteten. Und nach längerem Schweigen sagte Heilmann, daß Werke wie jene, die aus Pergamon stammen, immer wieder neu ausgelegt werden müßten, bis eine Umkehrung gewonnen wäre und die Erdgebornen aus Finsternis und Sklaverei erwachten und sich in ihrem wahren Aussehen zeigten.“

(Suhrkamp-Ausgabe in einem Band, Frankfurt am Main 1983, Band I, S. 53)

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