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August 13, 2016 fritz

Noch 90 Tage bis zur Stafettenlesung

Ae_MaschineRostock1.8.2016

Unbekannter Spieler an der Ästhetik-Maschine im Rathaus Rostock im August 2016 Bild: Screenshot TVRostock

Arcade, Tron, Raspberry Pi und die Bilder der Ästhetik

Der Stuttgarter Künstler Peter Schmidt hat eine Maschine gebaut: Die Ästhetik-Maschine. In einem virtuellen Museum, das man über einen Arcade-Spielautomaten betritt kann man eine Galerie der Bilder besuchen, die in der „Ästhetik des Widerstand“ eine Rolle spielen. Vor dem Bild stehend, kann der /die Betrachter_in die Passage aus Weiss‘ Opus Magnum hören, die sich auf das Spiel bezieht. Fritz Burschel hat sich mit Schmidt über die Ästhetik-Maschine unterhalten und sogar erfahren, was sie mit dem Film Tron zu tun hat.

 

Peter Schmidt, der auf seiner Homepage zahlreiche seiner schönen, hochpolitischen „Schauanlagen“, Kunstwerke und -Aktionen dokumentiert, schreibt über die Maschine unter dem Titel „Wider die Gespenster“: „Das Videospiel WIDER DIE GESPENSTER gibt Zugang zum Gespenster- Muse-um. Die Gespenster hören auf Namen wie Krieg, Nazismus, Gewalt, Flucht… Diese Gespenster und der Kampf dagegen erscheinen in Bildern, die von Peter Weiss für seinen Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ ausgewählt wurden. Zu den Bildern werden Ausschnitte aus dem Roman vorgelesen. Drei junge Arbeiter bilden ihr Klassenbewusstsein im Museum, sie ziehen die Lehre aus vergangenen Kämpfen und geben Perspektive für zukünftige. Ziel des Spiels ist es, sich alle Bildtexte vorlesen zu lassen. Bild für Bild sind die Texte klar und deutlich zu verstehen, schnell durchgespielt ergibt sich eine unverständliche Textkakophonie.

Der Automat scheint auf den ersten Blick aus dem letzten Jahrhundert zu sein, er nimmt die Ästhetik der Zeit auf, in der ‚Die Ästhetik des Widerstands‘ von Peter Weiss breit diskutiert wurde. Gleichzeitig verbreitete sich Computertechnologie zu mancher Freud, zu mancher Leid durch solche Automaten und es etablierten sich neue Welten. Zugleich ist das Videospiel WIDER DIE GESPENSTER zeitgenössisch. Sein Herzstück ist ein chipkartengroßer Rechner, ein Raspberry Pi, der oft zur Realisierung von Computerprojekten, die nur wenig Geld kosten dürfen, verwendet wird. Entsprechend wird auch die aus Alternativprojekten bekannte Computersprache Python benutzt.

Verbindet sich die Frage der Technologie oder der Ästhetik mit der Fra-ge nach den Gespenstern? Wie sieht die Gegenwehr gegen die Gespenster heute aus? Wie stellen sich die alten Gespenster heute dar? Welche neuen sind dazugekommen und wie kann uns Peter Weiss da helfen?“

 

2 Kommentare

  1. Gerhard Schneider 4 Jahren vor

    Wenn die Ausstellung dazu beiträgt, Neugier an Peter Weiss zu wecken, könnte das die Ignoranz und Blockade gegenüber seinem Werk beenden. Ich wünsche den Künstlern solch einen Erfolg. Gerhard Schneider

  2. Sandra Mueller 4 Jahren vor

    Der unbekannte Spieler ist Erik J. Schulze von tv.rostock!

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