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November 4, 2016 fritz

Nur noch eine kurze Woche bis zur Stafettenlesung

Peter Weiss, Elvis und die Shoah

Der Literaturwissenschaftler Klaus Theweleit hat zu Peter Weiss eigentlich gar kein so intensives Verhältnis, da er sich jenseits eines Generationswechsels in der Linken sieht, den er für 1956 und an Elvis Presley festmacht: „Für mich unterteilen sich die Leute in die, die Elvis 1956 und den Rock’n’Roll und das amerikanische Kino nicht aufgenommen haben, und Leute, die es aufgenommen haben. Für die wurde das entscheidend, darin liegt der Unterschied, in der Körperlichkeit, und darin liegt auch die Grundlage dessen, was dann 68 ist.“ Und das sei nicht die Linie, auf der Peter Weiss dann eine Rolle gespielt habe im linken Denken. Insofern habe ihm jemand wie Enzensberger in dem Moment näher gelegen, gesteht er ein.

Und doch sei ihm Peter Weiss „einer der Eingänge zur Beschäftigung mit der Shoah“ gewesen. Das Auschwitz-Stück  „Die Ermittlung“, das habe er auch gesehen in verschiedenen Formen, das sei, so sagt Klaus Theweleit, sehr wichtig für ihn zu der Zeit gewesen. Der ganze Hintergrund des eigenen links Werdens und der späteren Mitgliedschaft im SDS [Sozialistischer Deutscher Studentenbund], was die Frage nach der Vernichtung der Juden zum Hintergrund gehabt habe, das sei der Ausgangspunkt von allem gewesen, wissen zu wollen oder wissen zu müssen, was die eigenen Eltern, was die Generation der eigenen Eltern damit zu tun gehabt habe, wie die sich im „Dritten Reich“ verhalten hätten, und das habe dann notwendig zur Beschäftigung mit der faschistischen Gewalt und dem Widerspruch geführt, dass man Eltern gehabt habe, die sich zwar um einen selber gekümmert, die sehr fürsorglich – der Vater auch gewalttätig – alles getan hätten, um einen zu fördern, keine bösen Menschen in dem Sinne gewesen seien, andererseits aber „kein bisschen Mitleid mit der Vernichtung der Juden hatten, nur fanden, dass vielleicht ein paar zu viele getötet worden seien…“. Um mit diesem Widerspruch leben zu können, musste man sich mit der Shoah befassen.

 

2 Kommentare

  1. Anonymous 3 Jahren vor

    gibt es einen livestream

    • Autor
      fritz 3 Jahren vor

      Ja, zumindest ist ein Livestream geplant. Der Link wird morgen auf Blog und Facebook zu finden sein. Danke für das Interesse!

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