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Oktober 28, 2016 fritz

Uiuiuiuiui: Nur noch zwei Wochen bis zur Stafettenlesung

„Tausend Seiten geballte Kraft, geballtes Wissen und geballte Leidenschaft und Empathie“

Die grüne Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und einstige Managerin der Band „Ton Steine Scherben“, Claudia Roth, kann sich noch an die Aufregung um Peter Weiss in den 70er und 80er Jahren erinnern und an Veranstaltungen, wo gemeinsam Weiss gelesen wurde. Sie hat uns schon einen Abschnitt aus der „Ästhetik“ eingelesen und auf die Frage nach Peter Weiss‘ Einfluss auf Ihren Werdegang folgendes gesagt: „Peter Weiss hat ja immer wieder versucht zu verdeutlichen, welche Bedeutung Kunst und Ästhetik auch für politisches Denken oder auch politisches Handeln oder für politische Wahrnehmung hat und wie Kunst und Kultur Politik beeinflussen kann, die ja sehr, sehr viel mehr ist als Parteipolitik.“ Sie sei ja nicht umsonst im Theater gelandet oder bei einer Band [Ton Steine Scherben], die gesagt habe: „Das Private ist politisch“, denn jeder Song, der  zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten mobilisiere, sei politisch. Da sei die Auseinandersetzung mit Peter Weiss von enormer Bedeutung gewesen: Die Frage sei gewesen, welches Verhältnis Kunst, die nie parteipolitisch missbraucht werden dürfe, aber natürlich schon, um politische Kraft zu mobilisieren, zur Politik. Roth: „Für mich hat nach wie vor ein Bild eine Kraft, mich zu mobilisieren, das ist wie wenn ein Akku aufgeladen wird, ein Theaterstück und Buch und auch ‚Die Ästhetik des Widerstands'“. Auch wenn sie noch so schwer zu durchdringen gewesen sei, diese tausend Seiten geballte Kraft, geballtes Wissen und geballte Leidenschaft und Empathie. Aber sie habe sie angeregt und inspiriert und ihr Kraft gegeben. Und insofern sei Weiss weiter von unglaublicher Bedeutung.

Aber Claudia Roth macht auch auf die Aktualität  Peter Weiss‘ für heute aufmerksam: Es sei nicht nur eine Auseinandersetzung in der „Ästhetik“, welche Rolle Ästhetik im Widerstand, welche Rolle Kunst in einem Widerstand, in einer Bewegung spielen könne, sondern Weiss frage sich ja auch, er hinterfrage kritisch, wie es eigentlich sein könne, dass die Ausgebeuteten, die sozial Schwachen, die Marginalisierten sich rechten, rechtsextremen Ideologien anschlössen. Diese Frage sei von hoch aktueller Bedeutung, ohne natürlich das Nazi-Terrorregime mit rechten, rechtspopulistischen, rechtsextremen Bewegungen und Parteien gleichsetzen zu wollen. „Aber ich finde schon diese Fragestellung, warum hat die rechtsextreme Ideologie eine solche Anziehungskraft gerade für die, die sie ja bekämpft, und die sie ja nicht stark machen will?“ so Roth. Und diese Frage müsse man sich heute und zwar dringend stellen: Warum haben gerade jene rechtsextremen, rechtspopulistischen Parteien in Deutschland eine solche Attraktivität, die mitnichten mehr Gerechtigkeit, mehr Gleichheit herstellen wollen, mehr gleiche Rechte verwirklichen wollen, warum diese Erfolgsserie von rechtsextremen Parteien und Bewegungen in Europa? Claudia Roth: „Und diese Frage hat sich Peter Weiss gestellt, er hat sie sich sehr authentisch mit seiner Biographie gestellt und deswegen ist Peter Weiss gerade in diesen Zeiten enorm wichtig und enorm aktuell“.

(Was nicht im ausgewählten Statement erscheint, findet Ihr auf dem Blog unter den Videostatements)

 

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