73

73
August 30, 2016 fritz

Noch 73 Tage bis zur Stafettenlesung

Das Elend der Geflüchteten: Zur Gegenwärtigkeit der „Ästhetik“

Der Schriftsteller Walter Kaufmann sieht schon im heutigen Massenaufbruch von Menschen aus ihren Ländern die Aktualität der „Ästhetik des Widerstands“. „Wir haben die Flüchtlinge wieder, wir haben wieder das Elend der Flüchtlinge und wir haben die Repressionen, die dazu geführt haben, dass es Flüchtlinge gab.“ Kaufmann hat den größten Teil seines Werkes auf Englisch verfasst, auch nachdem er Mitte der 1950er Jahre in die DDR übersiedelte. Er kam aus Australien, wohin er, nachdem er mit einem Kindertransport 1939 nach Großbritannien fliehen konnte, 1940, nach einer Zeit der Internierung als „feindlicher Ausländer“, gebracht wurde. Seine Adoptiveltern, ein jüdisches Anwaltsehepaar aus Duisburg, hätten, so sagt er, die Grausamkeit der Repression in Nazi-Deutschland erlebt und seien darin umgekommen. Nach der Pogromnacht 1938 sind sie verhaftet, nach Theresienstadt verschleppt und in Auschwitz ermordet worden. Damals sei es nur wenigen Tausend Juden gelungen, das Land zu verlassen, heute seien es Millionen, die aus ihren Ländern flöhen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Situationen sieht er in der Flucht und dem Schicksal der Geflüchteten die „ungeheure Gegenwärtigkeit“ des Weiss’schen Romans.

0 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.